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Erstes Promotionszentrum für Informatik an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften eröffnet

Im vergangenen Jahr fiel der Startschuss für das Promotionsrecht der hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs, ehemals FHs). Besonders forschungsstarke Bereiche dürfen seitdem erstmals eigenständig Doktortitel verleihen. Mit dem am Dienstag gemeinsam von vier hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften im Rahmen des Tags der Forschung an der Hochschule Darmstadt (h_da) eröffneten „Promotionszentrum Angewandte Informatik“ schreiben die Hochschule Darmstadt, die Frankfurt University of Applied Sciences, die Hochschule Fulda und die Hochschule RheinMain Geschichte: Ab sofort können Absolventinnen und Absolventen in Hessen ohne die Kooperation mit einer Universität an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften den Doktorgrad in der Fachrichtung Angewandte Informatik erlangen – zum ersten Mal an einer deutschen HAW. Die Geschäftsstelle des Zentrums wird zunächst an der h_da angesiedelt sein und turnusmäßig zu den anderen Hochschulen wandern.

Die hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) stehen seit vielen Jahren für Qualität in der praxisorientierten Forschung. Ihre Rolle wurde mit der Vergabe des Promotionsrechts im vergangenen Jahr noch einmal gestärkt. Am gestrigen Dienstag gab Ministerialdirigent Dr. Rolf Bernhardt, Leiter der Abteilung Hochschulen und Forschung im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, im Rahmen des Tags der Forschung an der h_da den Startschuss für das „Promotionszentrum Angewandte Informatik“.  Damit erhalten die beteiligten Hochschulen das zunächst befristete Recht zur Durchführung eigenständiger Promotionsverfahren in dieser Fachrichtung. Bisher konnten Doktorarbeiten an HAWs in der Informatik nur kooperativ mit einer Universität abgenommen werden.

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Das neue hessische Promotionsrecht hat einen wichtigen Anreiz im Wissenschaftssystem geschaffen: Die starken Absolventen des Fachbereichs Informatik, die eine akademische Laufbahn anstreben und forschen wollen, können dies nun an den beteiligten hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften umsetzen. Das hochschulübergreifende ‚Promotionszentrum Angewandte Informatik‘ wird den besten Absolventen ihrer Trägerhochschulen neue Berufs- und Karrierechancen verschaffen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsförderung in dieser Fachrichtung.“

Forschungsschwerpunkte des Zentrums werden unter anderem IT-Sicherheit, Big Data, Telekommunikation, Spracherkennung, Rechnernetze, Virtual und Augmented Reality, Mensch-Maschine-Interaktion sowie Interaktive und Digitale Medien sein. Die Qualitätskriterien für das Promotionszentrum sind streng: Die beteiligten Forschenden müssen ihre Forschungsstärke durch eine Mindestzahl an Publikationen, die Höhe eingeworbener Drittmittel und vorhandene Erfahrung mit Promotionsbetreuung sowie akademische Titel nachweisen. Am Promotionszentrum werden elf Professorinnen und Professoren der h_da, drei der Frankfurt University of Applied Sciences, sieben der Hochschule Fulda, sowie fünf der Hochschule RheinMain beteiligt sein. Die Doktorarbeiten werden stets durch zwei Gutachterinnen beziehungsweise Gutachter geprüft, davon muss einer extern sein. Die Betreuerin oder der Betreuer der Arbeit darf kein Gutachter sein. Diese auch vom Wissenschaftsrat geforderte strikte Trennung von Betreuung und Begutachtung ist eine Seltenheit selbst an deutschen Universitäten.

Die Promotionen werden nicht nur von den betreuenden Professorinnen und Professoren, sondern auch durch unabhängige externe Gutachterinnen und Gutachter geprüft. In vier Jahren wird die Arbeit des Promotionszentrums evaluiert. „Das Promotionszentrum ist ein großer Schritt für alle beteiligten Hochschulen“, sagt Prof. Dr. Arnd Steinmetz, h_da-Vizepräsident für Forschung und wissenschaftliche Infrastruktur. „Es stärkt unsere Kompetenzen im Bereich Forschung und bietet neue Chancen für die Studierenden.“


Über das Promotionsrecht an HAWs

Im vergangenen Jahr beschloss die hessische Landesregierung als erstes Bundesland, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) unter bestimmten Bedingungen ein eigenständiges Promotionsrecht zu ermöglichen. Zuvor gab es schon seit Längerem die Möglichkeit, gemeinsam mit einer Partneruniversität eine so genannte „kooperative“ Doktorarbeit an einer HAW zu verfassen. Dies ist nach wie vor möglich. Zu den Vorteilen eines eigenen Promotionsrechts zählen die selbstständige Qualitätssicherung der Forschung sowie die fachliche Schwerpunktsetzung: HAWs können ihre Expertise in der angewandten Forschung noch besser ausspielen. Neben dieser neu entstandenen Promotionsmöglichkeit in dem eher technikorientierten Bereich der Angewandten Informatik sind in Hessen seit Anfang dieses Jahres an HAWs auch Promotionen im sozialwissenschaftlichen Bereich, in Public Health und Sozialer Arbeit  möglich. Das neue Promotionszentrum ist das vierte in Hessen.

Bildmaterial zum Download unter http://idw-online.de/de/news684667

 

 

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